Staupe

Zunehmend mehr Staupefälle

Die Staupe (canine distemper) war vor Einführung der Impfung die verlustreichste Virusinfektion des Hundes. Aber auch heute noch kann es bei ungenügendem Impfschutz oder mangelhaftem Immunisierungsgrad der Hundepopulation zu Seuchenzügen (Epidemien) mit zahlreichen Todesopfern kommen. Staupe führt zu einer Entzündung der Lunge, des Darmes und des Gehirns.

In den letzten Jahren sind auch in Deutschland wieder vermehrt Staupefälle aufgetreten. Als Ursachen werden eine gewisse Impfmüdigkeit der Besitzer als auch ein zunehmender Import von Hunden ohne ausreichenden Impfschutz vermutet. Generell sind Tiere jeden Alters gefährdet. Besonders häufig erkranken jedoch junge, ungeimpfte Hunde im Alter von drei bis sechs Monaten. Eine spezifische Behandlung gibt es nicht, die Erkrankung endet meist tödlich. Auch nach überstandener Erkrankung leiden die Hunde häufig an zentralnervösen Spätfolgen („Staupe-Tick“).

Auch Wildtiere können erkranken und den Hund anstecken

Die Staupe wird durch ein Paramyxovirus (RNA-Virus) verursacht und ist eine hoch ansteckende Infektionskrankheit für Hunde und andere heimische Fleischfresser (Carnivoren) wie Fuchs, Wolf, Dachs, Frettchen, Nerz, Wiesel, Waschbär und Seehund. In mehreren Teilen Deutschlands sind seit 2008 vermehrt an Staupe erkrankte oder verendete Füchse aufgefunden worden, die das Virus weiter verbreiten und wiederum eine Infektionsquelle für andere Tiere – auch den Hund – darstellen. Jagdhunde sind deshalb besonders gefährdet.

Die Infektion erfolgt vor allem durch direkten Kontakt

Die Infektion erfolgt beim direkten Kontakt über Sekrete und Exkrete infizierter Hunde (Tröpfcheninfektion) oder bereits vor der Geburt durch die Mutterhündin. Eine indirekte Erregerübertragung durch Hände, Kleidung, Schuhe, Futternäpfe usw. ist zwar möglich, bei der Staupe aber nur von geringer Bedeutung, da das Virus in der Umgebung nicht besonders widerstandsfähig ist. 

Das Krankheitsbild ist sehr variabel – eine Abwehrschwäche ist die Folge

Die Erkrankung kann auf drei Arten verlaufen: akut, subakut oder chronisch.
Nach einer ersten Virusvermehrung, die durch einen Anstieg der Körpertemperatur für 1-2 Tage auf 40° C sowie Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfall, klaren Augen- und Nasenausfluss gekennzeichnet ist, kommt es nach dem Absinken der Körpertemperatur in den Normalbereich zum Organbefall.
Der weitere Verlauf der Erkrankung, die Organbesiedlung und eventuelle nachträgliche Infektionen mit Bakterien (bakterielle Sekundärinfektionen), hängen in erster Linie von der individuellen Immunabwehr des Tieres ab. Dementsprechend variieren die Symptome, je nachdem, welche Organe betroffen sind und nach Vorkommen und Art der bakteriellen Sekundärerreger. Bakterielle Sekundärinfektionen werden ebenso wie andere Erkrankungen durch die durch das Staupevirus hervorgerufene Immunschwäche (Immundefizit) begünstigt.

Je nach den dominierenden Symptomen spricht man von folgenden Krankheitsformen:

  • Schleimhautform
  • Hautform
  • Magen-Darm-Form
  • ZNS-Form (nervöse Form)
  • Hartballenform (hard pad disease)

Bakterielle Sekundärinfektionen verschlimmern das Krankheitsbild

Bei schlechtem Immunstatus und damit einhergehenden bakteriellen Sekundärinfektionen kommt es zu respiratorischen Symptomen wie eitrigem Augen- und Nasenausfluss, Husten, Niesen, Bronchitis und Lungenentzündung oder Störungen des Magen-Darm-Trakts mit Durchfall und Erbrechen. Damit geht ein Verlust von Körperwasser einher, wodurch die Tiere unterschiedlich stark austrocknen können. Häufig folgen darauf Störungen des zentralen Nervensystems (ZNS) (nervöse Staupe) mit Krämpfen, Bewusstseinsstörungen, gesteigerter Aggressivität und rhythmischen Muskelkrämpfen sowie nerval bedingte, motorische und sensible Ausfallserscheinungen mit Lähmungen.
Bei der Hautform treten infolge von Sekundärinfektionen an den Innenflächen der Schenkel und auf der Ohrinnenfläche Bläschen und Pusteln zusammen mit einer starken Hautrötung auf. Infizieren sich junge Hunde während des Zahnens, kommt es zu Zahnschmelzdefekten, sie bilden dann ein sogenanntes Staupegebiss aus.

Achtung! Das Virus kann außerdem im Nervengewebe, Haut und Augen fortbestehen und vermutlich noch Jahre später Symptome hervorrufen.

Impfung gegen die Staupe ist ein MUSS (Core-Impfung)

Infektionsquellen lauern überall. Am schwersten und oft tödlich verläuft die Staupe bei ungeimpften bzw. ungenügend geimpften und/oder gestressten Junghunden. Daher sollten alle Hunde so früh wie möglich – spätestens im Alter von 8 Lebenswochen erstmals gegen die Staupe geimpft werden. Dazu steht von der Firma MSD Tiergesundheit ein Kombinationsimpfstoff gegen Staupe, Hepatitis und Parvovirose zur Verfügung. Die Impfung muss im Rahmen der Grundimmunisierung noch einmal vier Wochen später wiederholt werden. Die Ständige Impfkommission empfiehlt für eine vollständige Grundimmunisierung und damit für einen zuverlässigen Schutz des Tieres weitere Impfungen im Alter von 12 und 16 Lebenswochen sowie ein weiteres Jahr später.

Nach den deutschen Impfempfehlungen für die Kleintierpraxis gehört die Impfung gegen die Staupe zu den Pflichtimpfungen (Core-Impfung). Um einen dauerhaften Infektionsschutz zu gewährleisten, muss die Impfung gegen die Staupe regelmäßig aufgefrischt werden. Werden Impfstoffe der Firma MSD Tiergesundheit verwendet, ist eine Auffrischung des Impfschutzes nur alle 3 Jahre notwendig.

 

Eine überschießende Verhornung der Ballen und des Nasenspiegels ist für eine der als „hard pad disease“ bezeichnete Staupeform typisch.

"Spätestens im Alter von 8 Lebenswochen sollte jeder Hund gegen Staupe geimpft werden (Core-Impfung). Nach vollständiger Grundimmunisierung muss die Staupe-Impfung bei Verwendung von Impfstoffen der Firma MSD Tiergesundheit nur alle 3 Jahre aufgefrischt werden."